Donnerstag, 26. Januar 2017

[Rezension] Knochenjob!


Autorin: Sarah Adler | Verlag: Drachenmond Verlag | erschienen am 08. Oktober 2016
267 Seiten | Preis: 12,90 € (Softcover) | ISBN: 978-3-95991-192-4


Handlung
In diesem Buch erzählt uns der Tod (der hier unter dem Pseudonym Sarah Adler schreibt), warum ihm sein Job auf die Nerven geht. Kratzige Umhänge, garstige Kollegen und undankbare Klienten trüben seine Stimmung und er versucht händeringend etwas an seiner Situation zu ändern. Nebenbei plaudert er etwas aus dem Nähkästchen, über die Evolution und das Universum. Sozusagen seine Biographie.


Cover
Es passt auf jeden Fall zum Buch! Mir gefällt es sehr, die wässrige Kreideschrift vor dem Sternenhimmel und unten der Tod, der allein mit seiner Sense in die Ferne schaut. Gleichzeitig niedlich und lustig und melancholisch, so wie es auch das Buch ist. Gefällt mir sehr!


Wissenswerte Fakten über den Tod
Tod ist gar nicht so ein finsterer Geselle mit Kutte und Sense, wie man ihn sich viel zu oft vorstellt. Er ist sogar sehr wandelbar, wortgewandt und hat dazu einen großartigen Humor. Kein Wunder also, dass er sich unterschätzt und ungerecht behandelt fühlt
Die Sprache ist sehr locker gehalten, so als würde der Tod gerade mit einem beim Kaffee plaudern, dadurch ist das Buch sehr flockig zu lesen. Trotzdem hat es gleichzeitig auch eine gewisse melancholische Schwingung, die bei mir durch die Vorstellung der unendlichen Zeiträume, des unendlichen Universums, der unzähligen Leben und all der Seelen und des (meistens) Alleinseins von Tod verursacht wird. 
Wie schon beim Cover genannt, schafft dieses Buch den Spagat zwischen allen drei Adjektiven: lustig, niedlich und melancholisch. "Niedlich" ist gewiss ein Adjektiv, dass der Tod nicht gerne zugeordnet bekommt, also entschuldige bitte, lieber Tod, aber... du bist einfach niedlich, ich bin machtlos dagegen! Falls es dich allzu sehr stört: Ich habe auch "wortgewandt" gesagt! Und "großartiger Humor"! ;)
Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Unterüberschriften, unter denen der Tod zum Beispiel Listen erstellt hat oder die Einschübe einleiten. Tod kommt gerne von Hölzchen auf Stöckchen, erzählt gerne Anekdoten aus seinem Leben und braucht deswegen manchmal etwas, um auf den Punkt zu kommen. Zwar haben all diese Nebenschauplätze auch ihren Reiz und sind durchaus unterhaltsam, allerdings ist der Handlungsfortschritt bzw. das Handlungstempo dadurch natürlich sehr langsam und manchmal verliert sich der rote Faden zwischendurch, um dann irgendwann später plötzlich wieder aufzutauchen. Das hatte zur Folge, dass ich nie viel von diesem Buch am Stück lesen konnte, weil mir dann die Konzentration abgesackt ist. Phasenweise war es mir etwas zu langatmig. 

Dennoch habe ich langsam aber stetig weitergelesen, weil ich mich in dem Buch so wohl gefühlt habe, prima unterhalten wurde und auch wissen wollte, wie es mit dem Tod weitergeht.

Ein Lob verdient auch die Welt, in der Tod und seine Kollegen leben und wie ihr Alltag und ihre Beziehungen untereinander so aussehen. Auf den ersten Blick wirkte das alles gar nicht so fremd, obwohl ich etwas dieser Art noch nie gelesen hatte, aber es steckt viel mehr Planung und Komplexität dahinter, als einem auf Anhieb klar ist. Ich fand das sehr erfrischend und neuartig inszeniert. Sehr coole Idee, das wie eine Firma aufzubauen mit allen Klischees, die so dazugehören.
Tod kann einem ja schon leid tun. Wobei ich wetten möchte, dass die meisten seiner Kollegen bei den Menschen sicher auch nicht viel beliebter sind, abgesehen von Leben vielleicht. Wer mag schon Krankheit? Und über Schicksal und Glück fluchen wir doch auch häufiger, als wir uns darüber freuen. Mach dir nichts draus, Tod, uns Menschen kann man es eben nie recht machen. ;)

Dieses Buch hat außerdem den Anschein, als könnte es stilistische Ähnlichkeiten zu Terry Pratchett geben, was auch mehrere Leute aus einem Umfeld nach dem ersten Eindruck meinten. Deswegen habe ich das zum Anlass genommen, mir jetzt endlich mal etwas von Pratchett zuzulegen, nur um mit diesem Buch vergleichen zu können.
Daneben freue ich mich schon auf weitere Bücher der Autorin!


Fazit
Mir hat das Buch sehr gefallen, da Sprache, Atmosphäre und die innovativen Ideen hinter dem Buch sehr gut zusammenwirken. Ich belasse es dennoch bei "nur" 3 von 5, weil es mich emotional nicht so gecatcht hat. Ich weiß, dass andere sich bei diesem Buch vor Lachen den Bauch gehalten haben, das war bei mir nicht so. Nicht, weil ich es nicht lustig gefunden hätte, sondern weil es nur für inneres Schmunzeln gereicht hat - vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich allgemein durch Bücher so gut wie nie lauthals zum Lachen oder auch nur zum Kichern gebracht werde. Der große Begeistungssturm blieb jedenfalls leider aus, obwohl ich nicht mal sagen kann, woran das liegt. Vielleicht war es auch gerade diese gewisse Melancholie, die alles für mich wieder etwas einreduziert hat. Da ich das Wort "Melancholie" aber bislang nur in meiner eigenen Rezension zu diesem Buch gefunden habe, bin ich da vielleicht auch ein verkorkster Ausnahmefall, wer weiß.^^
 Dennoch hat mir der Humor sehr gefallen und auch die originelle Idee verdient auf jeden Fall einen Daumen nach oben. 
Tod ist ein sympathischer Typ mit großartigem Hang zu trockenem Humor, der dabei aber auch immer wieder einfach wahre Dinge ausspricht. 
Sein Ziel war es, den düsteren Anstrich loszuwerden und bei uns Menschen wieder beliebter zu werden und das ist ihm mit dieser Autobiographie ganz sicher gelungen!


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